Cyberresilienz gewinnt angesichts agentischer KI eine neue Bedeutung. Generative und agentische KI ermöglichen schnellere und stärker automatisierte Angriffe, die nicht nur Daten verschlüsseln, sondern auch Wiederherstellungsmechanismen gezielt sabotieren können. Unternehmen müssen deshalb davon ausgehen, dass erfolgreiche Angriffe künftig zum Risikoszenario gehören. Im Mittelpunkt stehen drei Säulen der Cyberresilienz: der Wiederaufbau kompletter IT-Umgebungen, regelmäßige Recovery-Tests sowie Recovery-as-Code als Grundlage für automatisierte Wiederherstellungsprozesse.
Laut den Sicherheitsforschern von Unit 42 benötigen KI-gestützte Angriffe nur 25 Minuten, um in ein Netzwerk einzudringen und Daten zu stehlen. Menschliche Angreifer benötigen dafür mindestens zwei Tage. Damit stößt die klassische Annahme, Angriffe grundsätzlich verhindern zu können, zunehmend an ihre Grenzen.
Cyberresilienz erfordert den Wiederaufbau kompletter IT-Umgebungen
Backups allein reichen heute nicht mehr aus. Moderne Angreifer verschlüsseln nicht nur Datenbestände, sondern greifen gezielt Recovery-Funktionen an. Sie löschen Snapshots, manipulieren Backup-Richtlinien oder kompromittieren Administrations- und Orchestrierungsebenen. Selbst unveränderliche Speicher bieten keinen vollständigen Schutz, wenn Angreifer bereits zuvor zentrale Verwaltungsfunktionen übernommen haben.
Cyberresilienz bedeutet deshalb mehr als die Wiederherstellung einzelner Datenbestände. Unternehmen müssen komplette IT-Umgebungen einschließlich Anwendungen, Netzwerken, Identitätssystemen und Cloud-Abhängigkeiten in einen vertrauenswürdigen Zustand zurückversetzen können. Dafür gewinnen sogenannte „Golden Copies“ an Bedeutung. Dabei handelt es sich um auf Malware, Fehlkonfigurationen und Sicherheitslücken geprüfte Point-in-Time-Images, die vollständige Anwendungs-Stacks abbilden. Ebenso wichtig ist die Erfassung von Netzwerkkonfigurationen, Softwareimages und deren Abhängigkeiten, damit Systeme nach einem Angriff wieder produktiv betrieben werden können.
Regelmäßige Übung von Recovery-Tests
Viele Unternehmen testen ihre Disaster-Recovery-Prozesse nur selten. Für eine belastbare Cyberresilienz muss Wiederherstellung jedoch regelmäßig geübt werden. Cloud-Plattformen erleichtern dies durch temporäre Sandboxes, in denen sich Recovery-Szenarien ohne zusätzliche Infrastruktur testen lassen. Zusätzlich gewinnen Chaos-Tests an Bedeutung. Dabei werden Ausfälle von Netzwerken, Authentifizierungssystemen oder kritischen Abhängigkeiten simuliert, um Schwachstellen sichtbar zu machen. Ergänzend setzt das Minimum Viability Framework auf die priorisierte Wiederherstellung geschäftskritischer Systeme. So können Unternehmen schneller zum operativen Betrieb zurückkehren.
Recovery-as-Code stärkt die Cyberresilienz
Eine weitere Schwachstelle vieler Organisationen sind isolierte Recovery-Prozesse. Sicherheitsteams, IT-Betrieb und Anwendungsverantwortliche arbeiten häufig mit unterschiedlichen Dokumentationen und Playbooks. Wichtige Informationen sind verteilt gespeichert und werden nicht gemeinsam getestet. Recovery-as-Code soll diese Fragmentierung überwinden. Das Konzept überführt statische Dokumentationen in automatisierte und versionskontrollierte Recovery-Pipelines. Die Wiederherstellung wird damit als ausführbarer Code definiert, der getestet, angepasst und kontinuierlich weiterentwickelt werden kann.
Agentische KI verändert Spielregeln der Cyber-Sicherheit
Alle Beteiligten arbeiten dadurch mit einer gemeinsamen Informationsbasis. Gleichzeitig verkürzt sich die Zeit bis zur Wiederherstellung, weil Teams nicht mehr auf unterschiedliche Dokumentationsstände angewiesen sind. Recovery-as-Code macht Cyberresilienz zu einem integrierten Bestandteil des IT-Betriebs. Agentische KI verändert die Spielregeln der Cyber-Sicherheit. Vollständige Recovery-Konzepte, regelmäßige Tests und Recovery-as-Code bilden deshalb drei zentrale Säulen einer Cyberresilienz, die Unternehmen auf erfolgreiche Angriffe vorbereiten soll.
Autor
Christian Kubik
Director Sales Engineering DACH bei Commvault