Muskuloskelettale Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit, mit steigender Tendenz auch unter jungen Beschäftigten. Auf der Fachmesse A+A 2025 in Düsseldorf stehen daher ergonomische Hilfsmittel wie Exoskelette verstärkt im Mittelpunkt. Ein zentrales Messehighlight ist der Exo Park mit Live-Demonstrationen des Exoworkathlon und praxisnahen Testmöglichkeiten für Fachbesucher. Im Interview erläutert Dr. Urs Schneider vom Fraunhofer IPA, warum technische Prävention eine zentrale Rolle spielt und wie Exoskelette künftig nicht nur zur Belastungsreduktion, sondern auch in der Rehabilitation und Inklusion beitragen könnten.
Dr. Schneider, muskuloskelettale Erkrankungen sind weltweit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Warum ist dieses Thema so relevant, insbesondere auch für junge Arbeitnehmer?
Muskuloskelettale Erkrankungen betreffen nicht nur ältere Arbeitnehmer, sondern zunehmend auch jüngere. Durch langanhaltende Fehlbelastungen und schwere körperliche Arbeit können bereits früh im Berufsleben Beschwerden auftreten. Mit der steigenden Lebenserwartung und einer alternden Belegschaft ist es umso wichtiger, frühzeitig präventive Maßnahmen zu ergreifen, um langfristige Einschränkungen zu vermeiden.
Welche ergonomischen Prinzipien empfehlen Sie zur Prävention von muskuloskelettalen Erkrankungen?
Ein bewährtes Vorgehen ist das sogenannte TOP-Prinzip. Hierbei werden technische Maßnahmen wie Hebehilfen oder Arbeitsplatzanpassungen zuerst umgesetzt, bevor organisatorische oder persönliche Maßnahmen erwogen werden. Exoskelette sollten erst dann eingesetzt werden, wenn andere ergonomische Lösungen nicht erfolgreich sind. Sie können eine wertvolle Ergänzung sein, aber sie sind nicht die erste Wahl.
Welche Forschungsarbeiten führt das Fraunhofer IPA im Bereich Ergonomie und Exoskelette durch?
Unser Institut in Stuttgart arbeitet in mehreren Bereichen. Wir führen biomechanische Analysen im Feld und im Labor durch, entwickeln Exoskelette für spezifische Anwendungen und setzen digitale Menschmodelle für die Evaluierung und das Design ein. Zudem testen wir die mechanischen Eigenschaften von Exoskeletten mit hochzuverlässigen Methoden zur Produktcharakterisierung und Dauerhaltbarkeit.
Ein spannendes neues Forschungsfeld ist der Einsatz von Exoskeletten in der sekundären und tertiären Prävention. Können Sie mehr darüber berichten?
Ja, das ist ein besonders vielversprechender Bereich. Gemeinsam mit Integrationsinstitutionen in Deutschland untersuchen wir, ob und wie Exoskelette Menschen mit Behinderungen unterstützen können. Unser Ziel ist es, eine systematische Methodik für die Auswahl und Implementierung dieser Technologie zu entwickeln.
Was ist der Exoworkathlon und welche Erkenntnisse liefert dieses Format?
Der Exoworkathlon ist eine prospektive Exoskelett-Studie, die Exoskelette unter realistischen Arbeitsbedingungen testet. Wir definieren verschiedene Parcours in Zusammenarbeit mit Experten aus relevanten Branchen und dem Gesundheitswesen. Diese Parcours sollen praxisnah, umsetzbar und für den Exoskelett-Einsatz relevant sein. Studienergebnisse und tiefere Einblicke sind auf www.exoworkathlon.de zu finden.
Welche Highlights erwarten Besucher auf der A+A 2025 im Bereich Exoskelette?
Ein besonderes Highlight ist der Exo Park, ein großer Gemeinschaftsstand, den wir gemeinsam mit der Messe Düsseldorf organisieren. Hier können Besucher Exoskelette selbst ausprobieren und sich über die neuesten Entwicklungen informieren. Zudem wird die Live-Demonstration des Exoworkathlon präsentiert, die zeigt, wie Exoskelette in der Praxis unterstützen können. Parallel dazu findet die Wearracon Europe Konferenz statt, bei der Experten technologische und ergonomische Themen rund um Exoskelette diskutieren werden.