Perimetersicherheit stand im Zentrum des erstmals durchgeführten Perimeter Protection Kongresses im April 2026 in Nürnberg. Unter dem Motto „Die neue Dimension: der digitale Zwilling in der Perimetersicherung“ griff die Veranstaltung aktuelle Entwicklungen der Sicherheitsbranche auf. Im Fokus standen sowohl technologische Neuentwicklungen als auch regulatorische Anforderungen, insbesondere das Kritis-Dachgesetz sowie neue Ansätze zur digitalen Abbildung von Sicherheitsinfrastrukturen.
Perimetersicherheit als strategisches Thema der Branche
Rund 200 Fachteilnehmer aus Industrie, Planung und Betrieb diskutierten auf dem Kongress aktuelle Herausforderungen der Perimetersicherheit. Ergänzt wurde das Programm durch eine Table-Top-Ausstellung mit 15 Unternehmen, die ihre Lösungen präsentierten und den fachlichen Austausch vertieften. Ziel des Formats ist es, den Dialog über sicherheitstechnische Entwicklungen kontinuierlich zu fördern. Carsten Feddern, Geschäftsführer des Verbands für Sicherheitstechnik, betont die Relevanz des Formats: „Vor dem Hintergrund der kürzlichen Veröffentlichung des Kritis-Dachgesetzes sowie den damit nach wie vor verbundenen Unsicherheiten bei den Betreibern Kritischer Infrastrukturen hätten wir keinen besseren Zeitpunkt für den Perimeter Protection Kongress finden können.“ Auch Peter Ottmann, CEO der Nürnberg Messe Group, verwies auf die steigende Bedeutung kontinuierlicher Dialogformate und kündigte an, sicherheitsrelevante Veranstaltungen künftig stärker zu bündeln.
Kritis-Dachgesetz erweitert Anforderungen an Perimetersicherheit
Ein zentraler inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem Kritis-Dachgesetz, das im März 2026 verabschiedet wurde. Es schließt bestehende Regulierungslücken und erweitert den Fokus auf den Schutz Kritischer Infrastrukturen um die physische Sicherheit. Während bisher vor allem Cyber- und IT-Sicherheit im Mittelpunkt standen, werden nun auch physische Schutzmaßnahmen stärker berücksichtigt. Feddern betont in seinem Beitrag: „Cyber-, IT- und physische Sicherheit müssen zusammen diskutiert werden.“
Das Gesetz umfasst zehn Sektoren mit jeweils spezifischen Anforderungen, die in separaten Rechtsverordnungen definiert werden. Diese liegen bislang jedoch noch nicht vollständig vor, während gesetzliche Fristen bereits laufen. Unternehmen sind daher gefordert, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen und sich auf kommende Prüfungen vorzubereiten.
Handlungsempfehlungen für Betreiber Kritischer Infrastrukturen
Zur Unterstützung stellt der Verband für Sicherheitstechnik, kurz: VfS, einen Leitfaden bereit, der Unternehmen eine strukturierte Vorgehensweise empfiehlt. Zunächst soll die eigene Betroffenheit geprüft werden, anschließend eine Gap-Analyse erfolgen. Darauf aufbauend wird die Entwicklung eines Resilienzplans sowie der frühzeitige Austausch mit zuständigen Behörden empfohlen. Der VfS betont: „Resilienz ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Das Kritis-Dachgesetz schafft hierfür den verbindlichen Rahmen.“
Digitale Zwillinge verändern die Perimetersicherheit
Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war die Perimetersicherheit in drei Dimensionen. Im Zentrum steht der Einsatz digitaler Zwillinge zur ganzheitlichen Abbildung physischer Infrastrukturen. Im Vergleich zu klassischen zweidimensionalen Sicherheitskonzepten ermöglicht dieser Ansatz eine vernetzte Betrachtung von Gelände, Gebäuden, technischen Systemen und Prozessen über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Simulation, Planung und Bewertung von Sicherheitsmaßnahmen. Thomas Kirmayr vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Valley bekräftigt, dass bereits vor Beginn der Digitalisierung festgelegt werden müsse, welche Daten tatsächlich benötigt werden. Erst auf dieser Grundlage sollten Daten strukturiert erfasst und in geeignete Modelle überführt werden.
Perimetersicherheit als Teil integrierter Sicherheitskonzepte
Neben dem Kritis-Dachgesetz und digitalen Zwillingen wurden weitere Themen wie Cloud-Technologien, BIM-basierte Planung, biometrische Verfahren sowie die NIS-2-Richtlinie diskutiert. Ein zentrales Ergebnis des Kongresses ist die zunehmende Verzahnung von Cyber-, IT- und physischer Sicherheit, die als Voraussetzung für belastbare Sicherheitskonzepte gilt.
Benedikt Weyerer, Executive Director, zieht ein Fazit: „Wir haben mit dem Perimeter Protection Kongress eine Plattform geschaffen, die strategische Fragestellungen der Perimetersicherheit mit praxisnahen Lösungen verbindet.“ Weiter erklärt er: „Die erfolgreiche Premiere bestätigt unseren Ansatz, Messe und Kongress als vernetztes Gesamterlebnis weiterzuentwickeln.“ Die behandelten Themen werden auf der kommenden Fachmesse Perimeter Protection 2027 vom 19. bis 21. Januar in Nürnberg weiter vertieft.