Mit dem Cyber Resilience Act (CRA) führt die Europäische Union ab Dezember 2027 verpflichtende Cyber-Sicherheitsanforderungen für alle Produkte mit digitalen Elementen ein. Nach eingehender Analyse ihrer Technologien kommt Profibus & Profinet International (PI) zu dem Ergebnis, dass Profinet bereits heute ein solides Fundament bietet, um CRA‑Konformität zu erreichen. Hersteller können demnach vorhandene Installationen nutzen und je nach Risikoprofil schrittweise um relevante Sicherheitsbausteine erweitern.
Profinet‑Spezifikation als Sicherheitsbasis
Die Profinet‑Spezifikation enthält bereits Konzepte, die den aktuellen und künftigen CRA‑Anforderungen entsprechen oder mit Erweiterungen abgedeckt werden können. PI weist darauf hin, dass bestehende Anlagen häufig eine gute Ausgangsposition für eine CRA‑gerechte Umsetzung bieten, ohne komplette Neuentwicklungen zu erfordern. Zusätzliche Sicherheitsbausteine stehen zur Verfügung, um erweiterte Anforderungen an sichere Kommunikation und Datenintegrität zu erfüllen.
Zitat zur Bedeutung von CRA und Profinet
„Die Anforderungen des CRA stellen Unternehmen vor große Herausforderungen“, erklärt Xaver Schmidt, Vorstandsvorsitzender der PI. „Unsere Analyse zeigt: Hersteller, die auf Profinet setzen, haben bereits heute eine solide Basis für CRA‑Konformität. Bei höherem Sicherheitsbedarf können Hersteller ihre Produkte künftig Schritt für Schritt mit Profinet‑Security Features erweitern, von authentifizierter sicherer Kommunikation bis hin zur vollständigen Verschlüsselung.“
Cybersicherheitsanforderungen im Überblick
Der CRA verlangt von Herstellern, potenzielle Cyber-Risiken ihrer Produkte systematisch zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Dabei kann die Profinet‑Security‑Architektur als modulare Toolbox dienen, aus der je nach Risiko einzelne Komponenten gewählt werden:
- Secure Cell: Netzwerksegmentierung und Zugriffskontrolle sind bereits mit heutigen Profinet‑Installationen umsetzbar. Zusätzliche Härtungsmaßnahmen werden mit der Profinet‑Spezifikation V2.5 verfügbar.
- Secure Access: Sicherer und kontrollierter Zugriff auf Geräte aus übergeordneten Netzwerken, relevant etwa für Asset‑Management oder KI‑gestützte Anwendungen.
- Secure Realtime: Sicherheitsfunktionen wie Integrität, Authentifikation und gegebenenfalls Vertraulichkeit schützen zyklische und azyklische Echtzeitkommunikation in kritischen Infrastrukturen durch kryptografische Mechanismen.
Die Bausteine Secure Access und Secure Realtime sind in der Profinet‑Spezifikation V2.5 beschrieben, die Mitte 2026 veröffentlicht wird.
Skalierbarkeit der Sicherheitsarchitektur
„Cyber-Sicherheit ist kein One‑size‑fits‑all‑Ansatz, sondern muss skalierbar sein, von der kleinen Standalone‑Maschine bis zur kilometerweit verteilten Anlage“, so Schmidt. „Die Profinet‑Architektur deckt das gesamte Spektrum ab: von der Netzwerksegmentierung bis zur kryptografisch abgesicherten Echtzeitkommunikation und das bei gleichbleibender Performance. Entscheidend ist: Viele Hersteller können ihre vorhandenen Profinet‑Installationen als Basis nutzen und bei Bedarf erweitern. Das ermöglicht eine bedarfsgerechte Umsetzung des CRA, ohne Kompromisse beim Datenzugriff.“
Zusammenarbeit mit Normungs‑ und Sicherheitsinstitutionen
PI entwickelt die Profinet‑Spezifikation in enger Kooperation mit dem Tüv Süd und orientiert sich dabei an der internationalen Sicherheitsnorm IEC 62443, um eine robuste und praxisnahe Umsetzung der Sicherheitsanforderungen sicherzustellen.