Cybersecurity für industrielle Kommunikation beginnt zunehmend bereits auf der Ebene der einzelnen Feldgeräte. Mit dem „netRAPID 90IC“ bietet Hilscher ein Embedded-Kommunikationsmodul an, das entsprechende Sicherheitsmechanismen direkt in die Gerätearchitektur integriert. Basis ist der Kommunikationscontroller „netX 90“. Das Modul verbindet industrielle Kommunikationsprotokolle mit Funktionen für Verschlüsselung, Firmware-Schutz und die Verwaltung digitaler Schlüssel und Zertifikate.
Gerätehersteller sollen damit insbesondere steigende Anforderungen an die Sicherheit vernetzter Produkte berücksichtigen können. Hilscher verweist in diesem Zusammenhang auch auf den europäischen Cyber Resilience Act, der verbindliche Cybersecurity-Anforderungen für Produkte mit digitalen Elementen festlegt.
Cybersecurity für industrielle Kommunikation in der Hardware verankert
Für den Schutz der Kommunikation verfügt das „netRAPID 90IC“ über eine hardwaregestützte Verschlüsselung mittels „CryptoCore“. Secure Boot soll verhindern, dass beim Start nicht autorisierte Software ausgeführt wird. Ergänzend unterstützt das Modul signierte Firmware sowie Schlüssel- und Zertifikatsmanagement. Damit werden mehrere Sicherheitsfunktionen direkt auf der Hardwareplattform zusammengeführt. Für Gerätehersteller kann dies den Aufwand reduzieren, entsprechende Mechanismen bei der Entwicklung eigener Feldgeräte separat umzusetzen.
„Gerätehersteller stehen zunehmend unter Druck, kurze Entwicklungszyklen mit steigenden Sicherheitsanforderungen zu verbinden“, erklärt Simon Fischer, Product Manager bei Hilscher. „Mit ,netRAPID 90IC' bieten wir ein Kommunikationsmodul, das sich einfach integrieren lässt, Produktionsrisiken reduziert und Geräte von Anfang an auf zukünftige Sicherheitsanforderungen vorbereitet.“
Steckmodul lässt sich ohne Löten integrieren
Neben der Cybersecurity zielt die Entwicklung auf eine vereinfachte Integration in industrielle Geräte. Anders als bei einer fest verlöteten Ausführung wird das Modul über einen standardisierten SMT-Sockel eingebunden. Dadurch kann es gesteckt und bei Bedarf ausgetauscht werden. Das Modul misst 18 × 45 Millimeter und eignet sich damit für Anwendungen mit begrenztem Bauraum. Als mögliche Einsatzfelder nennt Hilscher unter anderem Antriebe, Schweißsysteme, Wägetechnik, Lasersysteme und Messgeräte. Das steckbare Konzept soll zugleich Risiken während der Produktion reduzieren und spätere Servicearbeiten vereinfachen. Die Kommunikationsfunktion wird dabei als eigenständiges Modul in das jeweilige Gerät integriert.
Cybersecurity für industrielle Kommunikation trifft auf mehrere Protokolle
Auf einer Hardwareplattform unterstützt das „netRAPID 90IC“ verschiedene Industrial-Ethernet- und Feldbusprotokolle. Dazu zählen Profinet, Ethercat, Ethernet/IP, CC-Link IE Field Basic, Profibus, CANopen und Modbus. Zusätzlich stehen OPC UA und MQTT für die Anbindung an IIoT-, IT- und Cloud-Systeme zur Verfügung. Dadurch können Daten von der Feldebene aus weitergegeben werden, ohne dass hierfür nach Angaben des Herstellers zusätzliche Gateways oder Hardware erforderlich sind. Die Kombination aus verschiedenen Kommunikationsstandards und integrierten Sicherheitsmechanismen soll Geräteherstellern ermöglichen, unterschiedliche Produktvarianten auf einer gemeinsamen Hardwarebasis zu entwickeln.
Cyber Resilience Act erhöht Anforderungen an vernetzte Geräte
Mit zunehmender Vernetzung industrieller Komponenten gewinnt die Cybersecurity für industrielle Kommunikation auch aus regulatorischer Sicht an Bedeutung. Der Cyber Resilience Act stellt Anforderungen an die Sicherheit von Produkten mit digitalen Elementen über deren Lebenszyklus hinweg. Funktionen wie Secure Boot, signierte Firmware und die Verwaltung von Schlüsseln und Zertifikaten können dabei technische Bausteine für die Umsetzung entsprechender Sicherheitskonzepte bilden. Das „netRAPID 90IC“ integriert diese Mechanismen bereits auf Ebene des Kommunikationsmoduls.
Hilscher bindet das Modul zudem in seine bestehende Plattform aus Hardware, Software, Entwicklungswerkzeugen und Support ein. Standardisierte Schnittstellen und vorhandene Protokoll-Stacks sollen den Entwicklungsaufwand für Gerätehersteller reduzieren.